John Adams (*1947)

The Chairman Dances

 

John Adams wurde 1947 in Massachusetts geboren. Er lernte Klarinette und machte seine ersten symphonischen Erfahrungen in der Marching Band seines Vaters. Bereits mit 10 Jahren begann er zu komponieren und studierte anschließend bis 1971 an der Harvard University, wo er von Leon Kirchner unterrichtet wurde. Adams begann seine kompositorische Arbeit als  Minimalist im Sinne von Steve Reich und Philip Glass, verbindet jedoch in seinen späteren, von ihm selbst als „post-minimalistisch“ bezeichneten Werken, die rhythmische Energie des Minimalismus mit einer reicheren harmonischen Palette und großen Orchesterbesetzungen, die auf Einflüsse der Spätromantik schließen lässt.

 

Inzwischen ist John Adams einer der arriviertesten Komponisten Amerikas und konnte 1989 den "Grammy" für die Oper "Nixon in China" erlangen. Außerdem erhielt er drei weitere bedeutende Preise, darunter den Pulitzerpreis für die Komposition "On the transmigration of souls" im Gedenken an die Opfer der Anschläge von New York am 11. September 2001.

 

John Adams hielt weiter den Finger am Puls der Zeit: "Tromba lontana" (Trompeten aus der Ferne) zum 150. Jahrestag der Patriierung Texas in die Vereinigten Staaten und auch seine zweite Oper "The death of Klingenhofer“, die die Entführung der „Achille Lauro“ 1985 durch palästinensische Terroristen thematisiert, setzten sich explizit mit historischen Ereignissen unseres Jahrhunderts auseinander. Dieses Pulsieren scheint direkt überzugehen in die Textur seiner Orchesterwerke. Das penetrante Wiederholen endloser Achtelketten birgt ein Stück Unruhe, das durch eruptive Dynamik wie plötzlich dreinschlagende Orchestermarkatos, steil zerklüftete Melodieführung, espressiv ausgestaltete Orchestration und häufige Wechsel der Klangfarben nur noch verstärkt wird. Die Schule der Minimal Music (Musikalischer Minimalismus), also der Arbeit am kleinsten Motiv, gekoppelt an dessen kleinste Veränderung, lässt sich hieraus unschwer erkennen.

 

Die „Chairman Dances“ sind ein eigenständiges Partikel aus der Oper „Nixon in China“. Die drei Akte der Oper beschäftigen sich mit der Ankunft des US-Präsidenten Nixon in China 1972 und einem ersten Treffen zwischen ihm und Mao Zedong, den Erfahrungen von Nixons Frau im fremden Land und abschließend dem Besuch eines großen Staatsbanketts, auf dem Nixon einem getanzten Foxtrott von Mao und seiner Frau beiwohnt. Trotz der in China angesiedelten Handlung finden sich in der Oper nur wenige asiatische Einflüsse. Der stilistische Schwerpunkt ist, wie auch in den anderen Werken Adams, die Minimal Music.

 

„Nixon in China“ wurde 1987 in Houston uraufgeführt. Schon zwei Jahre zuvor veröffentlichte John Adams jedoch das Foxtrott-Thema des letzten Aktes als Konzertstück – „The Chairman Dances“.

 

Thilo Jaques

 

Letzte Aktualisierung: 8.08.2010